Ein kurzer Harzbesuch ging diesem Kunstgenuß voran. Quedlinburg liegt so viel tiefer, auf 163 Höhenmetern als unsere Unterkunft. Schnee ist dort getaut und das Klima deutlich milder als in 700 m Höhe. Eine alte, verwinkelte Altstadt birgt nahe der Kirche eine moderne Galerie, deren Basis eine Sammlung von Graphiken und Bildern Lyonel Feiningers ist.
Feininger! Prismatische Bilder!
Im Nationalsozialismus wurden seine Bilder als entartete Kunst bezeichnet. Feininger war Lehrer am Bauhaus, für Druckgrafik. Der Jurist Dr. Herrmann Klump studierte am Bauhaus in Dessau. Befreundet mit Feininger, wurden Ihm die Bilder überantwotet und konnten so vor der Vernichtung gerettet werden.
Immer wieder stellt die Galerie das Werk des Künstlers in Teilen aus und setzt neue Schwerpunkte. An diesem Januartag habe ich hier Einblick genommen vor allem in die Arbeitsweise des Künstlers. Gezeigt wurden die vielen kleinen Skizzen, die Feininger bei seinem Ostseeaufenthalt anfertigte und in einer Art Fotoalbum sammelte. An anderer Stellt zeigt die Ausstellung Skizzen, die belegen, wie sehr er die in schneller Machart skizzierte Landschaft abstrahiert hat und Farbwerte handschriftlich hinzufügte. Danaben hingen Zeichnungen, die wirkten, als sei die darauf abgebildetet Landschaft mit dem Lineal gezogen. Ich denke an Paul Klee und habe wie bei seinen Bildern ein Gefühl von Klang und Rhythmus. Dieses Gefühl verändert sich auch nicht, als ich in den zweiten Ausstellungsraum gehe, wo die Drucke ausgestellt waren. Dörfer in Holzsschnitt. Auch hier wird anhand der Bilder deutlich, wie die immer stärkere Abstraktion und das virtuose Umgehen mit dem Rhythmus der Baulichkeiten ihn zu neuen Bildern führt, die sicher auch der Ausgangspunkt für die prismatischen Bilder waren
Es ist spannend, die Prozesse anhand von Werken kennen zu lernen, die ein Künstler durchläuft. Prozesse, an deren Ende - oder vielleicht besser Zwischenstation - Werke stehen, die berühren oder faszinieren.
Und wieder einmal Bauhaus.
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