Samstag, 30. Dezember 2017

Club Katarakt- Lange Nacht 2017

Anton Rumpel - bezaubernd verrückt und schüchtern. Vor einer unendlich großen Leinwand steht er, spargeldünn mit Haaren die ihm bis zum Po reichen. Sein Gesicht ist dahinter verborgen, die gesamte 45 Minuten lange Performance über. Nur bei den Wechseln der Bilder streift er sie aus dem Gesicht und versucht sie ansatzweise über eines seiner Ohren zu hängen. Dann taucht er wieder ab, hängt über dem Pult auf der Bühne, das vor der Videownd steht. Es ist ein Mischpult mit Effekten und Soundknöpfen. Es bummert und kracht, schrubbt und ächzt. Rhythmus ist alles und der Rhythmus scheint für seine Performance nötig, für ihn selber, um immer tiefer in diese Klangwelt hineinzurutschen, sucht Ekstase. Viedobilder profaner Altagssituationen und -elemente reihen sich wieder und wieder aneinander: Temperaturregler einer Heizung, Heizungsrohre, Kacheln in 70iger-Jahre-Orange und ein dunkles Bild, dessen Inhalt ich nicht mehr aus meiner Erinnerung fischen kann. Hinter einander weg, immer dem Rhythmus folgend. Und dann wechselt die Sequenz, neue Töne und Laute krachen durch den Raum, folgen einem Takt, den er live über sein Pult bestimmt und über Kabel und Leitungen mit den Bildern synchronisiert. Bleibend beeindruckt mich das Bild der Einwegflaschen-Rückgabemaschine. Das Laufband schwebt über der Flasche, der Deckel im Bildmittelpunkt. Nur das Knistern der zerdrückten Flasche bringt mich auf die Spur. Wieder und wieder läuft die Sequenz, eine Flasche nach der anderen verschwindet und dieses Alltagselement wird verformt, die Performance verformt diesen Alltag. Ein andermal zertritt ein Schuh eine Milchtüte, ein Koffer rollt über einen steinigen Weg... immer wieder ...oder ein Typ erklärt wie er als Dj seine Sounds auf dem Plattenteller generiert, und dann wird sein Satz zertümmert, ins lächerliche gezogen, sein Blick und seine Gesten in einzelne Bilder zerlegt und immer wiederholt. Der Fluss unterbrochen, das Bild herausgeschnitten und wiederholt. Es ist eine Veränderung der Welt. Das Fließen wird stillstand, der Stillstand wird durch einen tosenden, schroffen Rhythums in Pulsieren überführt. Fast unerträglich morbid.

Das war das 3. Set der langen Nacht. Es war bereits gegn 23.30 Uhr und wir haben nach vielen einzigartigen Vorführungen unseren Besuch beendet. Schade. Die zwei noch vorgesehenen Sets wäre sicher ebenso aufregend gewesen. Das nächste Mal plane ich mehr Zeit ein!

Begonnen hat die lange Nacht auf kampnagel mit einer Darbietung, die ganz still begann. Auf sechs oder acht im Raum verteilten, umgedrehten Blechdosen verteilte Gregory Büttner elektronische Elemente. Auf den Blechdosenböden stehend entstanden Klänge die an- und abschwollen. Die Besucher konnten im abgedunkelten Raum wandern, still, vorsichtig. Ein Klangerebnis.

Als zweites dann ein Querflötenspieler, der seinem Instrument Pfeiftöne entlockte und mit einem Tonband oder einem Tongenerator komunizierte.Weitr gings mit Stimmkünstlerinnen, deren Vortrag mir Prustne und Lachen entlockte, so wunderbar haben Sie Geräusche nachgemacht und auf seltsame Weise miteinander zu einem Konzert kombiniert.