Anton Rumpel - bezaubernd verrückt und schüchtern. Vor einer unendlich großen Leinwand steht er, spargeldünn mit Haaren die ihm bis zum Po reichen. Sein Gesicht ist dahinter verborgen, die gesamte 45 Minuten lange Performance über. Nur bei den Wechseln der Bilder streift er sie aus dem Gesicht und versucht sie ansatzweise über eines seiner Ohren zu hängen. Dann taucht er wieder ab, hängt über dem Pult auf der Bühne, das vor der Videownd steht. Es ist ein Mischpult mit Effekten und Soundknöpfen. Es bummert und kracht, schrubbt und ächzt. Rhythmus ist alles und der Rhythmus scheint für seine Performance nötig, für ihn selber, um immer tiefer in diese Klangwelt hineinzurutschen, sucht Ekstase. Viedobilder profaner Altagssituationen und -elemente reihen sich wieder und wieder aneinander: Temperaturregler einer Heizung, Heizungsrohre, Kacheln in 70iger-Jahre-Orange und ein dunkles Bild, dessen Inhalt ich nicht mehr aus meiner Erinnerung fischen kann. Hinter einander weg, immer dem Rhythmus folgend. Und dann wechselt die Sequenz, neue Töne und Laute krachen durch den Raum, folgen einem Takt, den er live über sein Pult bestimmt und über Kabel und Leitungen mit den Bildern synchronisiert. Bleibend beeindruckt mich das Bild der Einwegflaschen-Rückgabemaschine. Das Laufband schwebt über der Flasche, der Deckel im Bildmittelpunkt. Nur das Knistern der zerdrückten Flasche bringt mich auf die Spur. Wieder und wieder läuft die Sequenz, eine Flasche nach der anderen verschwindet und dieses Alltagselement wird verformt, die Performance verformt diesen Alltag. Ein andermal zertritt ein Schuh eine Milchtüte, ein Koffer rollt über einen steinigen Weg... immer wieder ...oder ein Typ erklärt wie er als Dj seine Sounds auf dem Plattenteller generiert, und dann wird sein Satz zertümmert, ins lächerliche gezogen, sein Blick und seine Gesten in einzelne Bilder zerlegt und immer wiederholt. Der Fluss unterbrochen, das Bild herausgeschnitten und wiederholt. Es ist eine Veränderung der Welt. Das Fließen wird stillstand, der Stillstand wird durch einen tosenden, schroffen Rhythums in Pulsieren überführt. Fast unerträglich morbid.
Das war das 3. Set der langen Nacht. Es war bereits gegn 23.30 Uhr und wir haben nach vielen einzigartigen Vorführungen unseren Besuch beendet. Schade. Die zwei noch vorgesehenen Sets wäre sicher ebenso aufregend gewesen. Das nächste Mal plane ich mehr Zeit ein!
Begonnen hat die lange Nacht auf kampnagel mit einer Darbietung, die ganz still begann. Auf sechs oder acht im Raum verteilten, umgedrehten Blechdosen verteilte Gregory Büttner elektronische Elemente. Auf den Blechdosenböden stehend entstanden Klänge die an- und abschwollen. Die Besucher konnten im abgedunkelten Raum wandern, still, vorsichtig. Ein Klangerebnis.
Als zweites dann ein Querflötenspieler, der seinem Instrument Pfeiftöne entlockte und mit einem Tonband oder einem Tongenerator komunizierte.Weitr gings mit Stimmkünstlerinnen, deren Vortrag mir Prustne und Lachen entlockte, so wunderbar haben Sie Geräusche nachgemacht und auf seltsame Weise miteinander zu einem Konzert kombiniert.
Luftgeister
Samstag, 30. Dezember 2017
Sonntag, 29. Januar 2017
Hörbar - Jahresausklangfestival 2016
Den Newsletter beziehe ich schon gefühlt mehrere Jahre. Monatlich finden Konzerte statt. Noch nie hat es gepasst. Nun, zwischen Weihnachten und Neujahr, wieder das Jahresausklangfestival. Beginn 22 Uhr.
Wir machen uns gegen 21.50 Uhr auf den Weg zum B-Movie, dort, wo die Hörbar ihr Festival angesiedelt hat.
Über die Stresemannstraße mit km/h 30 schleichen, dann rechts in die Bernstorffstraße abbiegen. Kaum zu glauben, an einer der Straßenecken finden wir einen Parkplatz, direkt vorm Buddhistischen Zentrum in der Thadenstraße. ... Nein, hier ist die Hörbar nicht, stellt Franjo fest. Ein Blick auf das Handy, die Karte vom B-Movie und wir begeben uns auf den Weg in die Brigittenstraße. Noch immer suchen wir und plötzlich prangt die Lichtreklame leuchtend gelb fast über uns: KINO. Zwei Typen vor dem Eingang der benachbarten Kneipe sehen, das wir etwas suchen und schicken uns um die Ecke in den Hinterhof. Links an der Wand gesprayte Bilder mit Parolen. Vor uns Kübelpflanzen im winterlichen Graubraun, eingehüllt in Luftpolsterfolie. Wir biegen um die Ecke. Das ist der Eingang zum B-Movie.
Franjo braucht erstmal einen Kaffee, also auf zur Theke. 50 Cent kostet der, wie auch die Selters. Ich kanns nicht abwarten, ist ja auch schon halb elf. "Ich geh schon mal rein" sag ich also. Mache die Tür auf, hinter der ich kurz vorher jemanden verschwinden sah und bei deren Öffnen mir Musik entegenschallt. Dunkel dahinter. Ich gehe hinterher. Dunkle Stufen hinauf. Elektronische Musik empfängt mich, rhythmisch. Dann, als ich ein paar Stufen haochgestiegen bin, kann ich auch über die Kinositze der letzten Reihe hinwegschauen. Ein kleiner Kinosaal, echt offoff - und voll. Still sitzen hier Leute. Unten auf der Bühne sitzt an einem Tisch eine grün gekleidete Frau mit schwarzen Haaren und einer roten Brille. Völlig unspektakulär. Zwei Laptops auf den Tischen vor ihr, einige Schaltpulte, eine Rose... Dort wo sonst der Film läuft eine Viedoperformance, die mit den elektronischen Klängen verbunden ist und die sich irreal nach der Musik rhythmisch verändernde Bildsequenzen einer Naturumgebung zeigt. Margeriten, Reitgras, Bambus. Die Rose taucht im Hintergrund der Bilder auf. Bäume im Wasser werden zu schwarzen verzerrten Strichen, die innerlich leuchten ...Ganz ruhig sitzt sie dort unten, Ms. Axint.
Dann ist schon Schluss. Applaus und Begeisterung im Publikum. "20 Minuten Pause" sagt die Frau, "die brauchen wir zum umbauen, dann gehts weiter." Draußen treffe ich Franjo wieder. Wir gehen in den Hof, er raucht, still, wie erbeten, da sonst die Nachbarn aufwachen. Von drinnen dröhnt lautes Gerede in den Hof, denn die Tür bleibt offen stehen. Eine Zigartettenlänge, dann gehen wir in den Kinosaal. Auf der Bühne agieren schon zwei junge Männer, sehr jung, ein Mini-Tonstudio rechts auf dem Boden, ein Micro in der Mitte, einer der beiden sitzt daran, im Schneidersitz, und breitet Blätter im Halbkreis um sich aus.
Bilder im Hintergrund, Ton und Krachfetzen fliegen, zerstäuben jedes Wort, durchfahren den klaren Gedanken. Immer wieder wiederholt. Beständig. Ich denke an S Bahn und Straßenlärm, an Medien und Radio, an unsere Welt, die so verzerrt ist, so durchgewühlt wie die Krachmacher. Die Bilder im Hintergrund wären in Zeiten des LSD-Konsums klar zuzuordnen, farbenfroh, formenreich, ohne Zentrum, ein Strom von Eindrücken ist in Farbe und Striche geflossen und bildet den leuchtenden immer wieder wechselnden Hintergrund der Performance. Harter Tobak. Die ersten gehen. Die jungen Menschen machen weiter. Die nächsten gehen. Ich bleibe. Ich finde es großartig. (Künstler: Felix Baumann und Roland Wendling)
Noch eine weitere Prefomrance wird gezeigt. Wieder braucht es Zeit, die Installationen richtig aufzubauen und zu justieren. Gauthier Keyaerts ist eingeladen. Er zeigt seine Fragments#43-44. Es ist eine Performance, in der digitales Bild und virtueller Raum und reales Handeln interagieren und zum Gesamtwerk verschmelzen. Es ist spacig und galaktisch. Auf einer großen Leinwand erscheinen flirrende weiße Linien auf dunklem Hintergrund. Keyaerts bewegt sich. Seine Gesten scheinen zu beeinflussen, wie sich die Linien ausdehen und zusammenziehen. So ist es. Über einen Sensor und einen Monitor kommuniziert er mit dem digitalen Bild, dass sich immer wieder verändert. Gleichzeitig mit dem Bild erklingen elektronische Geräusche, Laute, mal klangvoll, mal abgerissen, mals morsend oder fiepsend. Sie verändern sich ebenfalls durch seine Interaktion mit dem Computer. Er führt den Prozess, steht frei im Raum und interagiert über Gesten. Diese scheinbar, da keine kommunizierende Person ihm gegenüber steht, bezugslosen Gesten, der elektronisch, zerissene Klang und das Bild bestimmen diese Performance und beeindrucken. Zuerst scheint es skurril oder spinnert. Dann tauche ich selber ein in die Bilder, die ungewohnten Klänge und Bewegungen und die Faszination schwappt über. Das große Thema "Kommunikation mit dem Computer" oder die Frage "Wie entwickelt sich die digitale Welt" ist hier zum greifen nahe positiv besetzt. Die Angst vor der Macht des Mediums ist hier nicht anwesend. Statt desses spüre ich die Faszination am Ausloten der Möglichkeiten und dem Überschreiten von Grenzen der Darstellung, auch der Darstellung der eigenen Gedanken und Befindlichkeiten hinein in einen neuen Raum der Ausdrucksmöglichkeiten. Science Fiction.
Wir machen uns gegen 21.50 Uhr auf den Weg zum B-Movie, dort, wo die Hörbar ihr Festival angesiedelt hat.
Über die Stresemannstraße mit km/h 30 schleichen, dann rechts in die Bernstorffstraße abbiegen. Kaum zu glauben, an einer der Straßenecken finden wir einen Parkplatz, direkt vorm Buddhistischen Zentrum in der Thadenstraße. ... Nein, hier ist die Hörbar nicht, stellt Franjo fest. Ein Blick auf das Handy, die Karte vom B-Movie und wir begeben uns auf den Weg in die Brigittenstraße. Noch immer suchen wir und plötzlich prangt die Lichtreklame leuchtend gelb fast über uns: KINO. Zwei Typen vor dem Eingang der benachbarten Kneipe sehen, das wir etwas suchen und schicken uns um die Ecke in den Hinterhof. Links an der Wand gesprayte Bilder mit Parolen. Vor uns Kübelpflanzen im winterlichen Graubraun, eingehüllt in Luftpolsterfolie. Wir biegen um die Ecke. Das ist der Eingang zum B-Movie.
Franjo braucht erstmal einen Kaffee, also auf zur Theke. 50 Cent kostet der, wie auch die Selters. Ich kanns nicht abwarten, ist ja auch schon halb elf. "Ich geh schon mal rein" sag ich also. Mache die Tür auf, hinter der ich kurz vorher jemanden verschwinden sah und bei deren Öffnen mir Musik entegenschallt. Dunkel dahinter. Ich gehe hinterher. Dunkle Stufen hinauf. Elektronische Musik empfängt mich, rhythmisch. Dann, als ich ein paar Stufen haochgestiegen bin, kann ich auch über die Kinositze der letzten Reihe hinwegschauen. Ein kleiner Kinosaal, echt offoff - und voll. Still sitzen hier Leute. Unten auf der Bühne sitzt an einem Tisch eine grün gekleidete Frau mit schwarzen Haaren und einer roten Brille. Völlig unspektakulär. Zwei Laptops auf den Tischen vor ihr, einige Schaltpulte, eine Rose... Dort wo sonst der Film läuft eine Viedoperformance, die mit den elektronischen Klängen verbunden ist und die sich irreal nach der Musik rhythmisch verändernde Bildsequenzen einer Naturumgebung zeigt. Margeriten, Reitgras, Bambus. Die Rose taucht im Hintergrund der Bilder auf. Bäume im Wasser werden zu schwarzen verzerrten Strichen, die innerlich leuchten ...Ganz ruhig sitzt sie dort unten, Ms. Axint.
Dann ist schon Schluss. Applaus und Begeisterung im Publikum. "20 Minuten Pause" sagt die Frau, "die brauchen wir zum umbauen, dann gehts weiter." Draußen treffe ich Franjo wieder. Wir gehen in den Hof, er raucht, still, wie erbeten, da sonst die Nachbarn aufwachen. Von drinnen dröhnt lautes Gerede in den Hof, denn die Tür bleibt offen stehen. Eine Zigartettenlänge, dann gehen wir in den Kinosaal. Auf der Bühne agieren schon zwei junge Männer, sehr jung, ein Mini-Tonstudio rechts auf dem Boden, ein Micro in der Mitte, einer der beiden sitzt daran, im Schneidersitz, und breitet Blätter im Halbkreis um sich aus.
Bilder im Hintergrund, Ton und Krachfetzen fliegen, zerstäuben jedes Wort, durchfahren den klaren Gedanken. Immer wieder wiederholt. Beständig. Ich denke an S Bahn und Straßenlärm, an Medien und Radio, an unsere Welt, die so verzerrt ist, so durchgewühlt wie die Krachmacher. Die Bilder im Hintergrund wären in Zeiten des LSD-Konsums klar zuzuordnen, farbenfroh, formenreich, ohne Zentrum, ein Strom von Eindrücken ist in Farbe und Striche geflossen und bildet den leuchtenden immer wieder wechselnden Hintergrund der Performance. Harter Tobak. Die ersten gehen. Die jungen Menschen machen weiter. Die nächsten gehen. Ich bleibe. Ich finde es großartig. (Künstler: Felix Baumann und Roland Wendling)
Noch eine weitere Prefomrance wird gezeigt. Wieder braucht es Zeit, die Installationen richtig aufzubauen und zu justieren. Gauthier Keyaerts ist eingeladen. Er zeigt seine Fragments#43-44. Es ist eine Performance, in der digitales Bild und virtueller Raum und reales Handeln interagieren und zum Gesamtwerk verschmelzen. Es ist spacig und galaktisch. Auf einer großen Leinwand erscheinen flirrende weiße Linien auf dunklem Hintergrund. Keyaerts bewegt sich. Seine Gesten scheinen zu beeinflussen, wie sich die Linien ausdehen und zusammenziehen. So ist es. Über einen Sensor und einen Monitor kommuniziert er mit dem digitalen Bild, dass sich immer wieder verändert. Gleichzeitig mit dem Bild erklingen elektronische Geräusche, Laute, mal klangvoll, mal abgerissen, mals morsend oder fiepsend. Sie verändern sich ebenfalls durch seine Interaktion mit dem Computer. Er führt den Prozess, steht frei im Raum und interagiert über Gesten. Diese scheinbar, da keine kommunizierende Person ihm gegenüber steht, bezugslosen Gesten, der elektronisch, zerissene Klang und das Bild bestimmen diese Performance und beeindrucken. Zuerst scheint es skurril oder spinnert. Dann tauche ich selber ein in die Bilder, die ungewohnten Klänge und Bewegungen und die Faszination schwappt über. Das große Thema "Kommunikation mit dem Computer" oder die Frage "Wie entwickelt sich die digitale Welt" ist hier zum greifen nahe positiv besetzt. Die Angst vor der Macht des Mediums ist hier nicht anwesend. Statt desses spüre ich die Faszination am Ausloten der Möglichkeiten und dem Überschreiten von Grenzen der Darstellung, auch der Darstellung der eigenen Gedanken und Befindlichkeiten hinein in einen neuen Raum der Ausdrucksmöglichkeiten. Science Fiction.
Zeichnen zur Zeit in der Kunsthalle Hamburg
Ich hatte die Ausstellung schon lange im Blick. Es ist eine kleine Ausstellung in der Hamburger Kunsthalle, oben im Kubus, ein Rundgang auf einer Etage, ein Rundgang durch die vielen Facetten der Zeichenkunst von 1950 bis bis in unsere Zeit.
Die Linie - in allen Werken ist es die Linie, die mich besonders interessiert. Im Kunstforum gibt es seit einiger Zeit eine Rubrik, die immer mal wieder gefüllt wird mit Künstlerportraits aktueller Künstler, die sich eindringlich mit der Zeichnung auseinandersetzen. Und Zeichnung ist lange schon nicht mehr nur ein Bleistiftstrich, der es schafft einen Baum naturgetreu abzubilden. Die Linie verselbständigt sich und wir als solche erforscht, vermag neue Gedanken zu formulieren und Blickweisen zu befördern, in die Welt des Rhythmus zu ziehen oder des Veränderlichen. Und Zeichnung entwickelt sich aus dem Blatt heraus und wird dreidimensional, haptisch greifbar, spürbar. Es ist eine Kunstforme, die sich lohnt zu verfolgen, weil sie so eng an den Entwicklungen der digitalen Welt klebt. So denke ich.
In der Ausstellung von 30.4. bis 30.10.2016 waren Werke von vielen Künstlern zu sehen. Es war der erste Teil der Ausstellung zum Thema Zeichnen, ein weiterer läuft derzeit bis in den Mai. Insgesamt sind folgende Künstler in den beiden Ausstellungen vertreten:
Martin Assig, Jill Baroff, Lucie Beppler, KP Brehmer, Karoline Bröckel, John Cage, Hanne Darboven, Jim Dine, Felix Droese, Friedrich Einhoff, Nadine Fecht, Karl Otto Götz, Lothar Götz, Katharina Hinsberg, Rebecca Horn, Balz Isler, Margrit Kahl, Karoly Keserü, Jürgen Klauke, Astrid Köppe, Sol LeWitt, Philip Loersch, Thomas Müller, Bettina Munk, Gudrun Piper, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, James Rosenquist, Dieter Roth, Sebastian Rug, Fred Sandback, Nora Schattauer, Jan Schoonhoven, K. R. H. Sonderborg, Malte Spohr, German Stegmaier, Gabi Steinhauser, Kai Sudeck, Rosemarie Trockel, Jorinde Voigt.
Lange habe ich vor der Computeranimation einer Linie und einiger Punkte von Bettina Munk gesessen. Wundervoll abstrakt erschien mir diese Arbeit wie die Verfolgung innerer Gedankenwelten. Sie unterhält eine Webseite mit dem Titel "linesfiction" auf der ZeichernInnen ihre Werke veröfentlichen können. ... nur Zeichner, ganz viele!!!
Die Linie - in allen Werken ist es die Linie, die mich besonders interessiert. Im Kunstforum gibt es seit einiger Zeit eine Rubrik, die immer mal wieder gefüllt wird mit Künstlerportraits aktueller Künstler, die sich eindringlich mit der Zeichnung auseinandersetzen. Und Zeichnung ist lange schon nicht mehr nur ein Bleistiftstrich, der es schafft einen Baum naturgetreu abzubilden. Die Linie verselbständigt sich und wir als solche erforscht, vermag neue Gedanken zu formulieren und Blickweisen zu befördern, in die Welt des Rhythmus zu ziehen oder des Veränderlichen. Und Zeichnung entwickelt sich aus dem Blatt heraus und wird dreidimensional, haptisch greifbar, spürbar. Es ist eine Kunstforme, die sich lohnt zu verfolgen, weil sie so eng an den Entwicklungen der digitalen Welt klebt. So denke ich.
In der Ausstellung von 30.4. bis 30.10.2016 waren Werke von vielen Künstlern zu sehen. Es war der erste Teil der Ausstellung zum Thema Zeichnen, ein weiterer läuft derzeit bis in den Mai. Insgesamt sind folgende Künstler in den beiden Ausstellungen vertreten:
Martin Assig, Jill Baroff, Lucie Beppler, KP Brehmer, Karoline Bröckel, John Cage, Hanne Darboven, Jim Dine, Felix Droese, Friedrich Einhoff, Nadine Fecht, Karl Otto Götz, Lothar Götz, Katharina Hinsberg, Rebecca Horn, Balz Isler, Margrit Kahl, Karoly Keserü, Jürgen Klauke, Astrid Köppe, Sol LeWitt, Philip Loersch, Thomas Müller, Bettina Munk, Gudrun Piper, Sigmar Polke, Arnulf Rainer, James Rosenquist, Dieter Roth, Sebastian Rug, Fred Sandback, Nora Schattauer, Jan Schoonhoven, K. R. H. Sonderborg, Malte Spohr, German Stegmaier, Gabi Steinhauser, Kai Sudeck, Rosemarie Trockel, Jorinde Voigt.
Lange habe ich vor der Computeranimation einer Linie und einiger Punkte von Bettina Munk gesessen. Wundervoll abstrakt erschien mir diese Arbeit wie die Verfolgung innerer Gedankenwelten. Sie unterhält eine Webseite mit dem Titel "linesfiction" auf der ZeichernInnen ihre Werke veröfentlichen können. ... nur Zeichner, ganz viele!!!
Ein Bild von Karoline Bröckel konnte ich im Original sehen. Von Ihr wurde in einer der Kunstforums-Ausgaben berichtet, so wie von Malte Spoh, Katharina Hinsberg und anderen, die ich bisher nicht im Original sehen konnte. So viele Eindrücke und so viel Motivation diese Kunstrichtung ernst zu nehmen belgeiten mich auf dem Weg nach Hause. Es lohnt sich, alle Künstler noch einmal im Internet nachzurecherchieren.
Verkehrte Welt ?
Es ist einige Zeit her, es war im August letzten Jahres, da bin ich auf Wunsch meines Freundes in eine mittelalterliche Ausstellung gegangen. "Verkehrte Welt". Auf der Webseite des Bucerius Kunstforums fand ich Kupferstiche mit grotesken Figuren. Hieronymus Bosch wurde aufgerufen. Ach ja, der ...
Gesehen habe ich kein einziges Bild von Hieronymus Bosch. Die viele Werke seiner Nachfolger bildern das Gerüst der Ausstellung. Die Ausstellung interpretiert in den Bild begeleitenden Kommentaren die Inhalte sozialgeschichtlich und stellt den Zusammenhang zwischen Bildinhalten und der Entwicklung der bürgerlichen Moral und Tugend auf Grundlage christlicher Vorstellungen her.
Die Bilder zeigen den mittelalterlichen Alltag mit Lust und Laster, Gier und Niedertracht. Skurrile Figuren und grotestke Begebenheiten, sadistische Umgangsformen und Foltermethoden wirken aus der zeitgeschichtlichen Ferne wie der Output eines irren Kreativen.
Das neu entstehende städtische Bürgertum entwickelt derzeit einen Wertekanon, der auch gesellschaftliche Umgangsformen enthielt. Vernunftmässige Lebensführung, Selbstbeherrschung, Durchhaltevermögen nach dem Vorbild religiöser Personen. Verantwortungsbewusst, rational beherrscht und beherrschbar, verständig, so solllte der Mensch sein. Das Gegenteil wird durch den Narren verkörpert, der unmoralisch ist, irrational, unbeherscht, impulsiv und asozial, unbeherrschbar, töricht und vernunftwidrig handelnd.
Ich begegne den Wurzeln uralter, noch heute gültiger Moralvorstellungen. So sind die Bilder aktuell, z.B. wenn es um die Arbeitslosigkeit geht oder wenn die fremden Kulturen, die in diesen Tagen ein unbekannt, ungewohntes Weltbild und eine Lebensweise nach Deutschland tragen. Der wertende Blick ist oft durch eine lange Tradition christliche Tugenden und Moral bestimmt.
Die Tugenden des Christentums sollten damals wider die Laster des Mittelalters wirken und die Bilder als Medium für Menschen dienen, die der Sprache in Schriftform noch nicht mächtig waren. Gleichzeit wurden aber auch Bilder in den guten Stuben aufgehängt und erfüllten dort ihre mahnende Vorbildfunktion. Peter Breughel schuf in der Nachfolge von Hieronymus Bosch das Werk "Die sieben Todsünden". Handlungsanweisungen für eine Lebensführung werden durch die Darstellung von Sünden und Tugenden greifbar und dienen der Sozialdisziplinierung und unterstützen die Herausbildung eines Verhaltenskodexes im 16. Jhdt. Tafelmanieren wurden ab 1550 als Druckgraik vertrieben und vom Bürgertum gekauft, welches sich durch sie ihrer eigenen Identität verischerte.
Passend fand ich dazu im letzten Jahr auch einen Artikel im Kunstforum Bd. 240 ("Get Involved Partizipation als küsntlerische Strategie") von Christian Kupke: "Vom Theatrum sacrum bis Toontown". Er zeigt auf, dass partizipative Strategien in der Kunst kein modernes Phänomen sind sondern bereits in der Zeit der Gegenreformation entwickelt wurden. Für mich schlägt er die Brücke von Hieronymus Bosch zu Kunstwerken, die Marketing als künstlerische Strategie nutzen.
Gesehen habe ich kein einziges Bild von Hieronymus Bosch. Die viele Werke seiner Nachfolger bildern das Gerüst der Ausstellung. Die Ausstellung interpretiert in den Bild begeleitenden Kommentaren die Inhalte sozialgeschichtlich und stellt den Zusammenhang zwischen Bildinhalten und der Entwicklung der bürgerlichen Moral und Tugend auf Grundlage christlicher Vorstellungen her.
Die Bilder zeigen den mittelalterlichen Alltag mit Lust und Laster, Gier und Niedertracht. Skurrile Figuren und grotestke Begebenheiten, sadistische Umgangsformen und Foltermethoden wirken aus der zeitgeschichtlichen Ferne wie der Output eines irren Kreativen.
Das neu entstehende städtische Bürgertum entwickelt derzeit einen Wertekanon, der auch gesellschaftliche Umgangsformen enthielt. Vernunftmässige Lebensführung, Selbstbeherrschung, Durchhaltevermögen nach dem Vorbild religiöser Personen. Verantwortungsbewusst, rational beherrscht und beherrschbar, verständig, so solllte der Mensch sein. Das Gegenteil wird durch den Narren verkörpert, der unmoralisch ist, irrational, unbeherscht, impulsiv und asozial, unbeherrschbar, töricht und vernunftwidrig handelnd.
Ich begegne den Wurzeln uralter, noch heute gültiger Moralvorstellungen. So sind die Bilder aktuell, z.B. wenn es um die Arbeitslosigkeit geht oder wenn die fremden Kulturen, die in diesen Tagen ein unbekannt, ungewohntes Weltbild und eine Lebensweise nach Deutschland tragen. Der wertende Blick ist oft durch eine lange Tradition christliche Tugenden und Moral bestimmt.
Die Tugenden des Christentums sollten damals wider die Laster des Mittelalters wirken und die Bilder als Medium für Menschen dienen, die der Sprache in Schriftform noch nicht mächtig waren. Gleichzeit wurden aber auch Bilder in den guten Stuben aufgehängt und erfüllten dort ihre mahnende Vorbildfunktion. Peter Breughel schuf in der Nachfolge von Hieronymus Bosch das Werk "Die sieben Todsünden". Handlungsanweisungen für eine Lebensführung werden durch die Darstellung von Sünden und Tugenden greifbar und dienen der Sozialdisziplinierung und unterstützen die Herausbildung eines Verhaltenskodexes im 16. Jhdt. Tafelmanieren wurden ab 1550 als Druckgraik vertrieben und vom Bürgertum gekauft, welches sich durch sie ihrer eigenen Identität verischerte.
Passend fand ich dazu im letzten Jahr auch einen Artikel im Kunstforum Bd. 240 ("Get Involved Partizipation als küsntlerische Strategie") von Christian Kupke: "Vom Theatrum sacrum bis Toontown". Er zeigt auf, dass partizipative Strategien in der Kunst kein modernes Phänomen sind sondern bereits in der Zeit der Gegenreformation entwickelt wurden. Für mich schlägt er die Brücke von Hieronymus Bosch zu Kunstwerken, die Marketing als künstlerische Strategie nutzen.
Der geschundene Mensch - Günther Uecker in der Kunsthalle Rostock
Günther Uecker. Ich kenne einige seiner Arbeiten aus einer Landart-Ausstellung, die ich im Kunstverein & Stiftun Springhornhof in Niedersachsen gesehen habe. Beeindruckt bin ich schon lange von seiner Arbeit, über die ich in unterschiedlichen Zusammenhängen gelesen habe.
Ich fahre weit, mehr als eine Stunde, um noch am letzten Ausstellungstag in die Ausstellung gehen zu können. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Dann stapfe ich die Treppen hoch und bin umfangen. Die großen Plastiken greifen nach mir. Ich stehe davor und fühle mich ein. In ihnen ist härte und Gewalt, Schroffheit, Schmerz. Warum, frage ich mich, warum fühle ich das so. An einer der Wände hängen in großen, etwa DIN A 1 großen Rahmen Papiere, auf die in schwarzer, breiter Tuscheschrift Worte geschrieben sind: quälen, treten, wuergen ... in dieser Weise. Diesen Worten widmet er Rahmen und Platz, eine ganze Zeile an der Wand entlang. Ich gelange zu den Bildern auf Holzuntergrund. Von hinten sind Steine hindurchgetrieben. Das Holszbildnis daneben besteht aus Steinen, schroffen Steinen, die mit Nägel, die krumm geschlagen wurden, am Untergrund festgehalten werden.
Eine kurze Ausstellung. Weiter hinten taucht noch einmal das Thema der Egge und auch der Nägel auf. Dann komme ich zu einem Raum, in dem ein Video läuft. Ich setzt mich zu den anderen Menschen. Ich erfahre mehr über sein Projekt, seine Arbeitsweise und seine Beweggründe. Uecker ist berührt von den Anschlägen in Rostock Lichtenhagen 1992 und beginnt an seinem Projekt der geschundene Mensch zu arbeiten. Nägel, Leimfarbe, Holz, Steine und einfache Nessel- oder Leinentücher, Asche sind sein Material.
Es ist eine Kunst die aus der Mitte der gefühlten Gewalt, der gefühlten Mauern zwischen den Menschen und des gefühlten Unverständnisses und der gefühlten Pein entspringt. Seine Kunst sucht Wege, diese Emotion in Raum und Bild zu überführen.
Ein Videoabschnitt zeigt die Bilder für den Andachtsraum im Reichstag. 5 schmale, aufrechte Bilder aus Holz hat er gefertigt mit Erde, Leimfarbe und Nägeln. Es sind wunderschöne Bilder, eine Beschreibung ist eigentlich nicht möglich. Ein Besuch im Reichstag, um diese Bilder zu sehen, das wäre eine Wucht! Nägel bilden Bewegungen die sich über das gesamte Bilde ausweiten, Erde gibt ein Gefühl von Intesnität hinzu. Und irgednwo erinnere ich Weiß.
Schließlich steige ich die Teppen wieder hinab. Unten läuft auf drei Monitoren ein Video eines jungen Künstlers in dem Bewohner des Viertel Lichtenhagen 24 Jahre nach den Anschlägen von Rostock interviewt werden. Sie erzählen über ihren Alltag, ihre Ansichten, ihr Hobby, ihre Zukunftsvorstellungen und der Regisseur begleitet Sie mit der Kamera durch das Viertel. Er läßt sie reden, mischt sich nicht ein, seine Fragen bleiben ungehört. Sie, die scihtbaren Bewohner des Viertels, erzählen aus sich heraus, von sich, in einer Welt, von der wir meinen, wir wüßten wie sie sein muss. Sie erzählen aus einem Leben in dieser Siedlung , so privat und vertraulich ohne zu wissen, dass ich hier sitze und zuhöre.
Ich fahre weit, mehr als eine Stunde, um noch am letzten Ausstellungstag in die Ausstellung gehen zu können. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Dann stapfe ich die Treppen hoch und bin umfangen. Die großen Plastiken greifen nach mir. Ich stehe davor und fühle mich ein. In ihnen ist härte und Gewalt, Schroffheit, Schmerz. Warum, frage ich mich, warum fühle ich das so. An einer der Wände hängen in großen, etwa DIN A 1 großen Rahmen Papiere, auf die in schwarzer, breiter Tuscheschrift Worte geschrieben sind: quälen, treten, wuergen ... in dieser Weise. Diesen Worten widmet er Rahmen und Platz, eine ganze Zeile an der Wand entlang. Ich gelange zu den Bildern auf Holzuntergrund. Von hinten sind Steine hindurchgetrieben. Das Holszbildnis daneben besteht aus Steinen, schroffen Steinen, die mit Nägel, die krumm geschlagen wurden, am Untergrund festgehalten werden.
Eine kurze Ausstellung. Weiter hinten taucht noch einmal das Thema der Egge und auch der Nägel auf. Dann komme ich zu einem Raum, in dem ein Video läuft. Ich setzt mich zu den anderen Menschen. Ich erfahre mehr über sein Projekt, seine Arbeitsweise und seine Beweggründe. Uecker ist berührt von den Anschlägen in Rostock Lichtenhagen 1992 und beginnt an seinem Projekt der geschundene Mensch zu arbeiten. Nägel, Leimfarbe, Holz, Steine und einfache Nessel- oder Leinentücher, Asche sind sein Material.
Es ist eine Kunst die aus der Mitte der gefühlten Gewalt, der gefühlten Mauern zwischen den Menschen und des gefühlten Unverständnisses und der gefühlten Pein entspringt. Seine Kunst sucht Wege, diese Emotion in Raum und Bild zu überführen.
Ein Videoabschnitt zeigt die Bilder für den Andachtsraum im Reichstag. 5 schmale, aufrechte Bilder aus Holz hat er gefertigt mit Erde, Leimfarbe und Nägeln. Es sind wunderschöne Bilder, eine Beschreibung ist eigentlich nicht möglich. Ein Besuch im Reichstag, um diese Bilder zu sehen, das wäre eine Wucht! Nägel bilden Bewegungen die sich über das gesamte Bilde ausweiten, Erde gibt ein Gefühl von Intesnität hinzu. Und irgednwo erinnere ich Weiß.
Schließlich steige ich die Teppen wieder hinab. Unten läuft auf drei Monitoren ein Video eines jungen Künstlers in dem Bewohner des Viertel Lichtenhagen 24 Jahre nach den Anschlägen von Rostock interviewt werden. Sie erzählen über ihren Alltag, ihre Ansichten, ihr Hobby, ihre Zukunftsvorstellungen und der Regisseur begleitet Sie mit der Kamera durch das Viertel. Er läßt sie reden, mischt sich nicht ein, seine Fragen bleiben ungehört. Sie, die scihtbaren Bewohner des Viertels, erzählen aus sich heraus, von sich, in einer Welt, von der wir meinen, wir wüßten wie sie sein muss. Sie erzählen aus einem Leben in dieser Siedlung , so privat und vertraulich ohne zu wissen, dass ich hier sitze und zuhöre.
Sonntag, 15. Januar 2017
Galerie Feininger in Quedlinburg
Ein kurzer Harzbesuch ging diesem Kunstgenuß voran. Quedlinburg liegt so viel tiefer, auf 163 Höhenmetern als unsere Unterkunft. Schnee ist dort getaut und das Klima deutlich milder als in 700 m Höhe. Eine alte, verwinkelte Altstadt birgt nahe der Kirche eine moderne Galerie, deren Basis eine Sammlung von Graphiken und Bildern Lyonel Feiningers ist.
Feininger! Prismatische Bilder!
Im Nationalsozialismus wurden seine Bilder als entartete Kunst bezeichnet. Feininger war Lehrer am Bauhaus, für Druckgrafik. Der Jurist Dr. Herrmann Klump studierte am Bauhaus in Dessau. Befreundet mit Feininger, wurden Ihm die Bilder überantwotet und konnten so vor der Vernichtung gerettet werden.
Immer wieder stellt die Galerie das Werk des Künstlers in Teilen aus und setzt neue Schwerpunkte. An diesem Januartag habe ich hier Einblick genommen vor allem in die Arbeitsweise des Künstlers. Gezeigt wurden die vielen kleinen Skizzen, die Feininger bei seinem Ostseeaufenthalt anfertigte und in einer Art Fotoalbum sammelte. An anderer Stellt zeigt die Ausstellung Skizzen, die belegen, wie sehr er die in schneller Machart skizzierte Landschaft abstrahiert hat und Farbwerte handschriftlich hinzufügte. Danaben hingen Zeichnungen, die wirkten, als sei die darauf abgebildetet Landschaft mit dem Lineal gezogen. Ich denke an Paul Klee und habe wie bei seinen Bildern ein Gefühl von Klang und Rhythmus. Dieses Gefühl verändert sich auch nicht, als ich in den zweiten Ausstellungsraum gehe, wo die Drucke ausgestellt waren. Dörfer in Holzsschnitt. Auch hier wird anhand der Bilder deutlich, wie die immer stärkere Abstraktion und das virtuose Umgehen mit dem Rhythmus der Baulichkeiten ihn zu neuen Bildern führt, die sicher auch der Ausgangspunkt für die prismatischen Bilder waren
Es ist spannend, die Prozesse anhand von Werken kennen zu lernen, die ein Künstler durchläuft. Prozesse, an deren Ende - oder vielleicht besser Zwischenstation - Werke stehen, die berühren oder faszinieren.
Und wieder einmal Bauhaus.
Feininger! Prismatische Bilder!
Im Nationalsozialismus wurden seine Bilder als entartete Kunst bezeichnet. Feininger war Lehrer am Bauhaus, für Druckgrafik. Der Jurist Dr. Herrmann Klump studierte am Bauhaus in Dessau. Befreundet mit Feininger, wurden Ihm die Bilder überantwotet und konnten so vor der Vernichtung gerettet werden.
Immer wieder stellt die Galerie das Werk des Künstlers in Teilen aus und setzt neue Schwerpunkte. An diesem Januartag habe ich hier Einblick genommen vor allem in die Arbeitsweise des Künstlers. Gezeigt wurden die vielen kleinen Skizzen, die Feininger bei seinem Ostseeaufenthalt anfertigte und in einer Art Fotoalbum sammelte. An anderer Stellt zeigt die Ausstellung Skizzen, die belegen, wie sehr er die in schneller Machart skizzierte Landschaft abstrahiert hat und Farbwerte handschriftlich hinzufügte. Danaben hingen Zeichnungen, die wirkten, als sei die darauf abgebildetet Landschaft mit dem Lineal gezogen. Ich denke an Paul Klee und habe wie bei seinen Bildern ein Gefühl von Klang und Rhythmus. Dieses Gefühl verändert sich auch nicht, als ich in den zweiten Ausstellungsraum gehe, wo die Drucke ausgestellt waren. Dörfer in Holzsschnitt. Auch hier wird anhand der Bilder deutlich, wie die immer stärkere Abstraktion und das virtuose Umgehen mit dem Rhythmus der Baulichkeiten ihn zu neuen Bildern führt, die sicher auch der Ausgangspunkt für die prismatischen Bilder waren
Es ist spannend, die Prozesse anhand von Werken kennen zu lernen, die ein Künstler durchläuft. Prozesse, an deren Ende - oder vielleicht besser Zwischenstation - Werke stehen, die berühren oder faszinieren.
Und wieder einmal Bauhaus.
Licht und Dunkelheit - Simon Schubert in der Kunstsammlung Neubrandenburg
Im "Kunstforum" gibt es eine Reihe, in der immer wieder Zeichner unserer Zeit vorgestellt werden: "Zeichnen zur Zeit". In einer der letzten Zeitschriften zu diesem Thema wurde Simon Schubert vorgestellt mit seinen wahnsinnigen Falz- und Faltbildern. Abgebildet waren nur wenige Werke in kleinem Format. Ich wollte nicht glauben, dass diese tatsächlich ohne einen Bleistiftstrich nur durch das Falten und Falzen des Papiers einen Raum darstellten, mit filigraner Zarge um die Tür, Lichtreflexen und Kasetten an den Wänden.
Heute endlich war ich dort, in der Kunstsammlung Neubrandenburg. Dann die kleine Kunsteinrichtung in Neubrandenburg hat diesen Künstler eingeladen, seine Arbeiten hier auszustellen. Das wollte ich unbedingt sehen. Die Räume zur Straße waren abgehangen. Über den großen, weißen Bilden hingen Strahler, die das Licht über die gefalteten Blätter führten. Aus dem Nichts, so scheint es, entsteht Raum. Der Eindruck beim Anschauen wankt zwischen optischer Täuschung, dem Impuls, anzufassen oder in den Raum zu steigen und einer Atmosphäre des Immateriellen. Fasziniert habe ich auf der Bank gesessen, die Besuchern eine ruhige Betrachtung dieser weißen, stillen Bilder ermöglicht.
Seit 2010 hat Schubert Papierbilder dieser Art gefertigt. Zumindest hängen im letzten Ausstellungsraum Werke aus diesem Jahr, denen ich meinte anzumerken, dass es die ersten sein müßten, da die Virtuosität des Handwerks noch nicht so brilliant wie in den folgenden Bildern war, dafür aber das Bildthema magisch - magisch für die Umsetzung in Papierfalztechnik. Dargestellt ist ein Blick in einen Raum mit Petersburer Bildhängung: Bilderrahmen mit Profil im alten Stil, offenbar verglast, denn in den Rahmen zeigen sich die Spiegelungen des Fußbodens, andere Bilder von der gegenüberliegnden Wand oder des Türrahmens. In der Spiegelung eröffnet sich in Fragmenten der Raum, in den man blickt. Es bleibt ein Puzzle, das nie vollständig sein wird.
Ich finde das großartig. Statt akribisch alles nachzuzeichnen und in realistischer Art abzubilden wird er handwerklich und schafft, ähnlich wie bei den Spiegelungen, eine zweite Anschauungswelt, die ebenso ungreifbar ist, wie die Spiegelungen.
Wunderbare Gewölbe und ein reich verzierter Spiegeltisch sind ebenso Thema der Bilder wie der Blick durch ein Fenster auf eine Dünenlandschaft. Es ist eine Welt für sich, so still, und sie entzieht sich der Greifbarkeit, entsteht sie doch nur durch den Einfall des Lichts.
Im Raum III der Sammlung hat Schubert den "Brandraum" eingerichtet. Alle Wände sind mit Papier ausgekleidet, das dick und unduchsichtig mit Graphit geschwärzt wurde. Im unteren Drittel sind die Blätter gefaltet und bieten die Illusion, hier seien Kassetten an den Wänden. In der Mitte ein rechteckiges Podest auf Tischhöhe. Keramik-Reste, Fundstücke aus Porzuellan sind hier präsentiet auf schwarzem Untergrund. An vier Wänden leuchten, zeichnerisch ausgearbeitet, gefräßige Flammen aus dem schwarzen Graphit, schlagen durch Holzfensterrahmen die sie langsam aufressen. Die Installation nimmt Bezug auf einen Brand im Jahr 1945. Die Keramik-Teile stammen aus dem Gebäude.
Eine Installation befindet sich auch in einem weiteren Raum. Ein roter, übermannshoher Samtvorhang umgiebt ein Rechteck im Raum. Durch einen Spalt im Vorhang schlüpfe ich in sein Inneres. Hier befindet sich eine Figur in Lebensgröße, die an einem Tisch lehnt und sich einem Rahmen zuwendet, in dem Glühbirnen leuchten, wie in einer Garderobe im Theater. Die Person trägt ein schwarzes Kleid und hat schillernd schwarze Haare. Mir wendet sie den Rücken zu und scheint durch den Rahmen in den Spiegel zu schauen, die Hände seitlich an den Tischkanten abgestützt. Ich schaue in den Spiegel. Dort sehe ich die gleiche Person wie vor mir. Ich sehe sie von hinten, sie leht am Tisch, schwarze, schillernde Haare statt eines Gesichtes "blicken" mir entgegen. Es braucht eine Weile, in der mein Blick zwischen der Person hier im Raum vor mir und im "Spiegel" hin und herwandert. Mein Kopf arbeitet. Das ist kein Spiegel. Ich schaue auf die Person im anderen Raum und habe das Gefühl selber die Person zu sein, die vor mir steht. Das erwartete Gegenüber bleibt aus, der Blickwinkel verschiebt sich. Ich bin hier und gegenüber?
Mein Rundgang war kurz. Ich bin fasziniert und finde wieder einmal, dass Weiß und Schwarz so viel zu sagen haben.
Heute endlich war ich dort, in der Kunstsammlung Neubrandenburg. Dann die kleine Kunsteinrichtung in Neubrandenburg hat diesen Künstler eingeladen, seine Arbeiten hier auszustellen. Das wollte ich unbedingt sehen. Die Räume zur Straße waren abgehangen. Über den großen, weißen Bilden hingen Strahler, die das Licht über die gefalteten Blätter führten. Aus dem Nichts, so scheint es, entsteht Raum. Der Eindruck beim Anschauen wankt zwischen optischer Täuschung, dem Impuls, anzufassen oder in den Raum zu steigen und einer Atmosphäre des Immateriellen. Fasziniert habe ich auf der Bank gesessen, die Besuchern eine ruhige Betrachtung dieser weißen, stillen Bilder ermöglicht.
Seit 2010 hat Schubert Papierbilder dieser Art gefertigt. Zumindest hängen im letzten Ausstellungsraum Werke aus diesem Jahr, denen ich meinte anzumerken, dass es die ersten sein müßten, da die Virtuosität des Handwerks noch nicht so brilliant wie in den folgenden Bildern war, dafür aber das Bildthema magisch - magisch für die Umsetzung in Papierfalztechnik. Dargestellt ist ein Blick in einen Raum mit Petersburer Bildhängung: Bilderrahmen mit Profil im alten Stil, offenbar verglast, denn in den Rahmen zeigen sich die Spiegelungen des Fußbodens, andere Bilder von der gegenüberliegnden Wand oder des Türrahmens. In der Spiegelung eröffnet sich in Fragmenten der Raum, in den man blickt. Es bleibt ein Puzzle, das nie vollständig sein wird.
Ich finde das großartig. Statt akribisch alles nachzuzeichnen und in realistischer Art abzubilden wird er handwerklich und schafft, ähnlich wie bei den Spiegelungen, eine zweite Anschauungswelt, die ebenso ungreifbar ist, wie die Spiegelungen.
Wunderbare Gewölbe und ein reich verzierter Spiegeltisch sind ebenso Thema der Bilder wie der Blick durch ein Fenster auf eine Dünenlandschaft. Es ist eine Welt für sich, so still, und sie entzieht sich der Greifbarkeit, entsteht sie doch nur durch den Einfall des Lichts.
Im Raum III der Sammlung hat Schubert den "Brandraum" eingerichtet. Alle Wände sind mit Papier ausgekleidet, das dick und unduchsichtig mit Graphit geschwärzt wurde. Im unteren Drittel sind die Blätter gefaltet und bieten die Illusion, hier seien Kassetten an den Wänden. In der Mitte ein rechteckiges Podest auf Tischhöhe. Keramik-Reste, Fundstücke aus Porzuellan sind hier präsentiet auf schwarzem Untergrund. An vier Wänden leuchten, zeichnerisch ausgearbeitet, gefräßige Flammen aus dem schwarzen Graphit, schlagen durch Holzfensterrahmen die sie langsam aufressen. Die Installation nimmt Bezug auf einen Brand im Jahr 1945. Die Keramik-Teile stammen aus dem Gebäude.
Eine Installation befindet sich auch in einem weiteren Raum. Ein roter, übermannshoher Samtvorhang umgiebt ein Rechteck im Raum. Durch einen Spalt im Vorhang schlüpfe ich in sein Inneres. Hier befindet sich eine Figur in Lebensgröße, die an einem Tisch lehnt und sich einem Rahmen zuwendet, in dem Glühbirnen leuchten, wie in einer Garderobe im Theater. Die Person trägt ein schwarzes Kleid und hat schillernd schwarze Haare. Mir wendet sie den Rücken zu und scheint durch den Rahmen in den Spiegel zu schauen, die Hände seitlich an den Tischkanten abgestützt. Ich schaue in den Spiegel. Dort sehe ich die gleiche Person wie vor mir. Ich sehe sie von hinten, sie leht am Tisch, schwarze, schillernde Haare statt eines Gesichtes "blicken" mir entgegen. Es braucht eine Weile, in der mein Blick zwischen der Person hier im Raum vor mir und im "Spiegel" hin und herwandert. Mein Kopf arbeitet. Das ist kein Spiegel. Ich schaue auf die Person im anderen Raum und habe das Gefühl selber die Person zu sein, die vor mir steht. Das erwartete Gegenüber bleibt aus, der Blickwinkel verschiebt sich. Ich bin hier und gegenüber?
Mein Rundgang war kurz. Ich bin fasziniert und finde wieder einmal, dass Weiß und Schwarz so viel zu sagen haben.
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