Sonntag, 29. Januar 2017

Der geschundene Mensch - Günther Uecker in der Kunsthalle Rostock

Günther Uecker. Ich kenne einige seiner Arbeiten aus einer Landart-Ausstellung, die ich im Kunstverein & Stiftun Springhornhof in Niedersachsen gesehen habe. Beeindruckt bin ich schon lange von seiner Arbeit, über die ich in unterschiedlichen Zusammenhängen gelesen habe.

Ich fahre weit, mehr als eine Stunde, um noch am letzten Ausstellungstag in die Ausstellung gehen zu können. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Dann stapfe ich die Treppen hoch und bin umfangen. Die großen Plastiken greifen nach mir. Ich stehe davor und fühle mich ein. In ihnen ist härte und Gewalt, Schroffheit, Schmerz. Warum, frage ich mich, warum fühle ich das so. An einer der Wände hängen in großen, etwa DIN A 1 großen Rahmen Papiere, auf die in schwarzer, breiter Tuscheschrift Worte geschrieben sind: quälen, treten, wuergen ... in dieser Weise. Diesen Worten widmet er Rahmen und Platz, eine ganze Zeile an der Wand entlang. Ich gelange zu den Bildern auf Holzuntergrund. Von hinten sind Steine hindurchgetrieben. Das Holszbildnis daneben besteht aus Steinen, schroffen Steinen, die mit Nägel, die krumm geschlagen wurden, am Untergrund festgehalten werden.

Eine kurze Ausstellung. Weiter hinten taucht noch einmal das Thema der Egge und auch der Nägel auf. Dann komme ich zu einem Raum, in dem ein Video läuft. Ich setzt mich zu den anderen Menschen. Ich erfahre mehr über sein Projekt, seine Arbeitsweise und seine Beweggründe. Uecker ist berührt von den Anschlägen in Rostock Lichtenhagen 1992 und beginnt an seinem Projekt der geschundene Mensch zu arbeiten. Nägel, Leimfarbe, Holz, Steine und einfache Nessel- oder Leinentücher, Asche sind sein Material.

Es ist eine Kunst die aus der Mitte der gefühlten Gewalt, der gefühlten Mauern zwischen den Menschen und des gefühlten Unverständnisses und der gefühlten Pein entspringt. Seine Kunst sucht Wege, diese Emotion in Raum und Bild zu überführen.

Ein Videoabschnitt zeigt die Bilder für den Andachtsraum im Reichstag. 5 schmale, aufrechte Bilder aus Holz hat er gefertigt mit Erde, Leimfarbe und Nägeln. Es sind wunderschöne Bilder, eine Beschreibung ist eigentlich nicht möglich. Ein Besuch im Reichstag, um diese Bilder zu sehen, das wäre eine Wucht! Nägel bilden Bewegungen die sich über das gesamte Bilde ausweiten, Erde gibt ein Gefühl von Intesnität hinzu. Und irgednwo erinnere ich Weiß.

Schließlich steige ich die Teppen wieder hinab. Unten läuft auf drei Monitoren ein Video eines jungen Künstlers in dem Bewohner des Viertel Lichtenhagen 24 Jahre nach den Anschlägen von Rostock interviewt werden. Sie erzählen über ihren Alltag, ihre Ansichten, ihr Hobby, ihre Zukunftsvorstellungen und der Regisseur begleitet Sie mit der Kamera durch das Viertel. Er läßt sie reden, mischt sich nicht ein, seine Fragen bleiben ungehört. Sie, die scihtbaren Bewohner des Viertels, erzählen aus sich heraus, von sich, in einer Welt, von der wir meinen, wir wüßten wie sie sein muss. Sie erzählen aus einem Leben in dieser Siedlung , so privat und vertraulich ohne zu wissen, dass ich hier sitze und zuhöre.

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