Aufmerksam wurde ich auf diese Ausstellung durch einen Artikel in der Jungen Welt. Die Fotografin lernte bei Man Ray, lebte eine Zeit mit diesem zusammen. Beschrieben wurde, dass sie Fotos ihres Lehrers, die dieser verwarf, zu ihren eigenen Werken machte, indem sie einen besonderen Ausschnitt wählte, durch den der Fokus anders gesetzt wurde. Während des zweiten Weltkrieges war sie eine der fünf Kriegsberichterstatterinnen der USA. Das machte mich hellhörig. Was treibt eine Frau dazu, den Krieg zu dokumentieren? All das Greul zu sehen und sich in Gefahr zu begeben? Denn sie soll während der Befreiung Deutschlands die Situation in den KZ s ganz ohne Distanz dargestellt haben.
Für Fotos bin ich nicht zu haben. Aber diese Frau interessierte mich. Also ab nach Berlin.Nicht nur ich, viele Besucher waren an diesem Sonntag in der kleinen, feinen Ausstellung.
Sie zeigt die Fotos aus der Anfangszeit. Aufgefallen sind mir die Fotos von Frauen. In diesen zeigt sie mehr als den Menschen, seine Schönheit. Die Bilder hinterfragen Gesellschaft, das Bild der Frau. Ich bin beeinduckt, dass dies mit einem Foto möglich ist. Modefotos für das Magazin Vogue in England zeigen gut gekleidete Frauen in Ruinen. Die zwei Welten Krieg und das Festhalten am Alltagsleben sind auch für mich als Betrachterin kaum vereinbar. Auf einem späteren Foto aus Wien zeigt sie eine Opernsängerin in den Trümmern der Oper, singend. Nicht aufgeben, was lebenswert ist. So klingt es und gibt die Erklärung für den Alltag in der Zerstörung.
Schon die Trümmer Bilder berühren mich. Ich fühle mich inmitten dieses Wahnsinns. Fühle, dass dies, obwohl Geschichte, Teil von mir ist. Teil meiner Eltern, unbewusste Erfahrung, die hier im Bild Wahrheit wird.
Schließlich komme ich zu den Bildern, die Miller machte, als die Amerikaner Deutschland befreiten. KZ Dachau. Leichenberge. Als sei das Leben niemals in diesen Körpern zu Hause gewesen. Verachtung des Menschlichen spricht seine Sprache durch diese Fotos. Den Tränen nahe, mancher hier weint still beim Anblick der Bilder, die ein Teil der Wahrheit noch heute fühlen lassen. Gezeigt wurden die deutlichen Bilder, wenn, dann in den USA. England hielt sie für zu drastisch, wollte sie den Lesern nicht zumuten.
Ich verlasse die Ausstellung schweigend. Berührt und fasziniert gleichzeitig. Berührt von den Emotionen im Foto, die Fragen und Gedanken die diese anzuregen vermögen. Beeindruckt davon, was Fotografie ist. Interessiert daran, was sie zu vermitteln vermag, was ein gemaltes Bild oder eine Zeichnung nicht darstellen kann.