Montag, 22. August 2016

Zinnober

... ich hatte von ihr gelesen, von der Kunstkirche in Zachow. Nun hatte ich Besuch und das war es Wert einen Vorstoß zu wagen: Wir riefen einen der Vereinsvertreter an, abends noch um halb sechs, ob wir vorbeikommen könnten, die Ausstellung in der Kirche anzusehen.
Gegen halb sieben treffen wir Herrn Bose im Dorf. Gemeinsam gehen wir zur Kirche. Ein kleine Fachwerkkirche mit Holzturm, über 700 Jahre alt. Die schwere Eichentür öffnet sich und wir treten in den kleinen Raum des Gotteshauses ein. Uns gegenüber ein großes Bild, dessen Farbtöne wie rostiges Eisen uns entgegenleuchten. Linkerhand führt eine kleine Holztreppe auf eine niedrige Empore. Dort hängen quadratische Bilder. In der Mitte eines aus vier Qudraten bestehendes in grüner Farbtönung. Schon von Weitem sieht man, das diese Farbe aus vielen Farben zusammengesetzt ist. Ich gehe näher heran und tauche unweigerlich in diese Bild ein. Farbpunkte in Beige, Blau, Grün, Braun und Grautönen, so erinnere ich mich, liegen hier nebeneinander und übereinander. Ein Raum entsteht der mich mitnimmt. Je länger ich das Bild anschaue, desto mehr Feinheiten entdecke ich. Fast bin ich verwirrt. Dann gehe ich zum Bild daneben, dem Blauen, auch hier ein Farbsog, der sich aus den vielen Farbklecksen oder Punkten entwickelt, die sich überlagern, auch hier Raum. Und an diesem Bild spüre ich, wie ich beim Anblick des Bildes in eine Stimmung verfalle. Je länger ich diese Farbe und den Raum auf mich wirken lasse, um so mehr empfinde ich das Blau. Ich wandere zurück zum Grün und auch hier emfpinde ich das Grün, eine ganz andere Gestimmtheit ergreift mich. Rechts daneben zwei weitere Bilder in ähnlicher Technik, eines hellgrau, das andere dunkelgrau. Und ich fühle mich fast innerlich erloschen, das dunkle Grau nimmt mir den Atem, die innere Bewegung, das helle Grau läßt mich frieren.

Auf der gegenüberliegenden Seite hinter dem Altar hängt rechterhand ein großes Bild in gedämpften Farben zwischen Ocker und Taubenblau. Schriftzeichen im Zentrum ziehen die Aufmerksamkeit als erstes an. Als ich davorstehe, packt mich auch dieses, ebenfalls in Flecken und Punkten gemalte Bild und ich sehe Zeit. Noch einmal denke ich diesen Gedanken. Doch, hier sehe ich Zeit. Dieses Bild zeigt, was nicht abbildar ist: Zeit.
Ein paar der Bilder faszinieren mich weniger
So wende ich mich den 6 kleinen Bildern zu, die an der Empore hängen. Auf Röntegenbilder hat hier die Künstlein unterschiedliche Materialien abgedrückt. Mit weißer, rotbrauner, fast an Blut oder Eisen erinnernder und schwarzer Farbe. Wunderschöne Strukturen zeigen sich, Leerräume, materielles Weiße und schwer zu entzifferndes Rot und Schwarz auf den blauschwarzen Röntgenfolien. Ich stehe fasziniert davor und bin begeistert. Die weiße Farbe scheint wie Knochen, wie ein: Doch, hier bin ich, die Materie. Ein Nachsatz auf die Durchleuchtung, die im Röntgenbild festgehalten wurde, ein Kommentar zu dem, was so einfach ein Nichts wird, dieses Fleisch, das nicht Knochen ist und von den Röntgenstrahlen durchschossen wid. Materie - Nichtmaterie

Der Kirchenraum in seiner authentischen Restauration mit schwerem Eichengebälk und ziegelrotem Klinkerfußboden, Fachwerk und gekalten Fachungen, ein Altar im Zentrum, es ist ein schlichter Raum mit Atmosphäre. Wunderbarer Ort für diese Bilder, aus denen einer Intensität entgegenkommt.

Ich werde wieder in die Kirche gehen, die beständig hochwertige Ausstellungen verspricht.

ZINNOBER Kulturkreis Zachow e.V.
www.zinnober-zachow.de
Ausstellung von Monika Bertermann (Neubrandenburg)

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