Montag, 22. August 2016

Fünf Positionen der Gegenwart

Es ist eine Ausstellung, die ich im Vorbeigehen aufnehmen wollte. Da wurde wieder, wie alle Jahre der Kunstpreis von einer Jury vergeben. Zufällig fahre ich sogar am Tag der Eröffnung am Museum vorbei... Naja, denke ich. Vielleicht gucke uch mir das bei Gelegeneit sn...
Schießlich bleibe ich an diesem Sonntag 1,5 Stunden in genau dieser Ausstellung und gehe sogar nur in die unteren drei Räume, die klein sind und die Wechselausstellungen enthalten. Was ich sehe berührt mich und ist Neu für mich. Gestellte Porträts als fotografische Selbstinszenierung und Suche nach einer Identität oder auf der Enttarnung des Lebens als Theaterstück? Bunt, erzählend, an einzelnen Details festgemacht werden Typen von Menschen, ihre politische Haltung oder ihre Selbstverortungen in der Vielfalt des alltäglichen Angebotes abgelichtet und hängen als Foto an der Wand. Immmer ein kleiner Titel zum Bild, der hilft, die Sprache des Bildes zu vestehen. Faszinierend dann, als ich mich weiter umgucke, das Projekt der Künstlerin, sich selbst als Kultfigur zu inszenieren, indem sie alle Objekte wie Tassen, Ansichstkarten, Kalender, Bettwäsche etc, die man im "Fanshop" bekäme, mit ihrer eingenen Figur, ihrem eigenen Gesicht schmückt. Für mich wie ein kleines Schleudertrauma. Mutig oder selstbewußt? Kritisch und entlarvend! Ein Mensch wird geboren in den Dingen, die über ihn erzählen. Weiter hinten in den Ausstellungsräumen befindet sich ein ganzer Altar, in dessen Zentrum die Künstlerin abgebildet ist... (Künstlerin: Jacqueline Duhr)

Im Raum davor Malerei. Fast schlicht und stumm, immer aber mit einem Moment des Aha, wenn die fast ungegliederten Flächen verwaschener Farben sich plötzlich in einen Raum verwandeln, in einer scheinbar verwaschenen Landschaft plötzlich eine geometrische Form so greifbar wird. Aber es scheint keine einfache Malerei zu sein, die endgültigen Farben scheinen das Ende immer wieder aufgetragener Schichten zu sein, die z.T. ineinander gearbeitet sind. Manchmal tauchen die Pinselstriche auf, dennoch wirkt es wie eine Farbe, eine undefinierbare zumeist, ein Olivegrüngelbbraun oder ein braunrot mit??? Was bewegt den Künstler? Mich ziehen die Bilder an. Sie stehen zwischen Unkenntlichkeit und Suche nach der einfachen Aussage, zeigen aber den vielschichtigen Weg dahinter. (Künstler: Matthias Kanter)

Im dritten Raum dann Fotos ganz anderer Art. Schwarzweiß wirken sie schlicht, meist ein ein Querformat. Die Bildaufteilung fasziniert mich, prägnant und sehr angenehm anzusehen. Ein Blick auf eine zerbrochene Landschaft unserer Zeit, so finde ich. Eine andere Serie zeigt Müll sammelnde Menschen, ganz alltäglich. Fotografie, die Momente aufnimmt und in diesen vermag, ganze Geschichten und Assoziationsräume zu schaffen. So verweile ich einige Zeit vor jedem Bild. (Künstler:
 Olaf Matthes)

Im hinteren Raum finden sich wieder eher plastische Werke, auch wenn die Künstlerin Zeichnung - oder Malerei? - ebenfalls an den Wänden präsentiert. In einfachen, Kartoffeldruckartigen Strichen in Farben finden sich Strichmännchen auf den Blättern. Abstrahierte Strichmännchen, deren Bewegungen und Gesten auf das absolute Minimum reduziert sind. In diesem Minimum entpuppt sich dennoch die Haltung der Männchen selber wie auch die Beziehung der Männchen zueinander, wenn diese auf einem Blatt gemeinsam angesiedelt sind.Als Plastik finden sich teils in Stein gehauen, teils in Holz gearbeitet Skulpturen. Rechteckig, kantig. Langsam wächst der Blick beim Sehen in diese Skulpturen hinein und die Symbolik wird verständlich: Hier liegt ein zusammengekauerter Mensch, dort stehen zwei Menschen umschlungen nebeneinander, zwei, doch wie ein Block und doch nicht verbunden, denn der Blick des einen zeigt von der anderen Figur fort. Fast schmerzend, diese karge Abstraktion und doch so klar in der Einfachheit und erleichternd: Menschen, die Innerstes ohne Sprache ausdrücken, ohne feine Form der Finger, ohne Fußgelenke, Bauchnabel ... urtümlich, elementar - gefunden. (Künstlerin Anne Sewcz)

Im letzten Raum schließlich hängen Bilder in Mischtechnik, teils gezeichnet, teils gemalt oder übermalt. Auch hier in gedeckten Farben, ein gedämpftes Gelb, ein verwaschenes Rot, ein Türkies, Braun und Schwarz, Weiß auch ... Räume mit Brüchen, Linien, immer wieder mal eine Figur. Die Titel weisen auf persönliche Begebenheiten hin. Sehr individuell, eigenständig, fast ein Ringen darum, dies Persönliche auszudrücken, seiner habhaft zu werden, es zu zeigen???

Sehr spannend und vielfältig, ein zweiter Besuch wäre lohnenswert.

Kunstpreis der Mecklenburgischen Versicherungsgruppe für bildende Kunst in Mecklenburg-Vorpommern. Vergabe alle 2 Jahre an professionelle, in MV schaffende Künstler, ohne Bewerbingsverfahren.

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