Samstag, 9. April 2016
Horst Jansen zwischen Schiffen und Wolken Theater
27.3.2016, Ostersonntag. Unser Weg führt uns ins Altona Museum, mich und meinen Freund. Nach dem tollen Erlebnis am vergangenen Wochenende im Mrützeum nun der Besuch in dem Museum Hamburgs. Eigentlich wollten wir Schiffe gucken, Ewer, Kutter, Barkassen und etwas über die Fischerei, den Fischfang, Schleppnetze und gesalzene Heringe erfahren und dann noch kurz ins Wolkentheater gehen. Aber ganz zufällig war da auch die Ausstellung mit Bildern von Horst Jansen. Typisch Hamburg eben. Also rein in die dunkle Stube. Und wieder stehe ich staunend und begeistert vor Zeichnungen, feinen Farbstifftbildern, Texten, tief aus dem Bauch, voller Intuition. Der kannte nix anderes als Zeichnen. Zeichnen. Zeichnen. Alles Erleben, alles Denken fand in dieser Sprache Übersetzung, jede Regung, jede Erfahrung wurde seismographisch mit der Bleistiftspitze nachgelebt. Bis heute verwahrt und Dokument eines Lebens voller innerer Verdauung und Durchlebung.
Der eine Raum hätte mir bereits gereicht, die Treppen hinunter eröffnet sich ein weiterer. Den aber lasse ich links liegen. Ich verdaue nicht so schnell. In mir wirkt noch, ganz abseits der Bildinhalte, etwas anderes. Die tiefe Überzeugung, das was da in ihm passiert für bare Münze zu nehmen, alles ist wichtig und reicht aus gesagt zu werden. Nichts ist dumm, nicht unsinnig, nicht unwichtig. Keine Wertung in ihm hält irgendetwas zurück. Jedes bischen fügt sich wie ein kleiner Baustein zu seinem ganzen Bild, ganz ungestört, so wie eine Pflanze auf ihrem Wachstumsweg halt genau weiß, welche Zelle auf die nächste folgt, einfach so. Es ist ein Vergnügen und das Bild einer inneren Sicherheit, Vorbild zu trauen, sich selbst zu trauen.
Auf dem Hinweg nach Hamburg schon ist mir das begegnet, als ich im Deutschlandfunk mit einem Mal in eine Gesprächsrunde einfiel, Unter Leuten, so heißt das Buch, Julie Zeh die Autorin, wir dort besprochen. "Wie schreiben sie?" wird sie gefragt und sie antwortet, ganz entgegen jeder schriftstellerischen Tradition, dass sie einfach darauf losschreibe und dann nach einigen hundert Seiten alles noch einmal durchlese, nachkorrigiere. Wer es ihr nicht glaube, dem könne sie ihr Korrketuranmerkungen zeigen. Sie sagt, dem Menschen ist die Dramaturgie eigen, jeder erzählt Anekdoten dramaturgisch. Darauf kann sie sich velassen, und nachdem sie einmal anders geschrieben und gescheitert sei, bleibe sie dabei, ihre Bücher eben genau so zu verfassen.
Es ist dies der rote Faden, das Gestaltete in einem, das bereits da ist, den Zipfel nur noch fassen und ihm folgen, Kreativität gewähren lassen, Leben lassen, staunend distanziert daneben stehen und entstehen lassen, aus der Tiefe der Kosmos "Gehirn".
Mutig, Mut machend, bestärkend.
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