Freitag, 22. April 2016
Dieter Goltzsches Schöne Zeichnungen
Eine halbe Stunde bin ich umgeirrt, die Große Wollweberstraße zu finden. Die Kunstsammlung findet sich in einem grauen Fachwerkhaus mit zwei Stockwerken. Vielversprechend war das Plakat nicht, eher etwas dahingehuscht, ohne Konzentration, fand ich. Nun, ich gehe hin, weil es ein Zeichner ist. Es ist ein alter Zeichner, der Kunst in der DDR studiert hat. Heute muss er über 80ig Jahre alt sein. Ich lasse mich drauf ein, auf das, wass wie 10-Minutenbilder aussieht, dahingehuscht, wie gesagt. Ich stehe da und gucke. Jedes Bild mit Titel. Das hat sogar einen Titel! Aber ich gucke, und die Leichtigkeit und Unbekümmertheit, sie nimmt mich langsam ein. Es ist ein Rhythmus in den Bilder, ein Hingeben an das Innere, das lenkt und die Formen aufs Papier bringt, mal mit feinen Tuschelinien, mal mit dickem ausgefransten Pinsel ganz in schwarz, mal auf einem Fetzen, dann auf einem Bogen Papier. Er lebt inmitten seiner Zeichnungen. Es ist, als sei es eine eigene Schrift, eineSprache, die sich vollkommen von den äußeren Erscheinungen löst und in sich selbst genug ist, zu sprechen, über sich und das was zwischen sich und dem Äußeren dann doch stattfindet. Ich mache die Runde durch die vier Räume und am Ende stehe ich in einem Raum mit feinen Zeichnungen. Ich bin ergriffen wie sehr hier Zeichnung innere Begegnung ist und frei über das Blatt fliegt, bindet, gliedert, zu Neuem fügt und immer ein bischen Wahrheit, wie wir meinen, es gäbe sie, durchscheint. Aber alles ist eine Welt - seine Welt. Wie wundervoll, so unbekümmert und leichtfüßig zu sein, sich so weit zu entfernen vom "richtig abzeichnen" vom "richtigen Bild" vom "Zeichen" so weit weg von aller Vorschrift von allem Vorbild. Schöne Bilder - und so ist es : Schöne Bilder!
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