Freitag, 22. April 2016

Besuch in Tulln. Entdeckung Egon Schieles

Egon Schiele

... da reise ich nach Tulln um auf der Garten Tulln eine Lizenz zu erwerben ... und keine 50 m neben dem Hotel, in dem ich übernachte, befindet sich das Egon-Schiele-Museum. Der Egon-Schiele-Weg führt an meinem Hotel vom Bahnhof kommend an der Donau entlang direkt dort hin. Ein bischen übertrieben das alles, dieser Hype um Egon-Schiele, denke ich. Der Vater Bahnhofsvorsteher (wars so?) und er der Sohn dieser Stadt.

Nun gut. Meine Schulung ist Fulltime und ich eise mich los, einen Mittag, um wenigstens einen Blick in dieses Museum hineinzuwerfen, das verspricht, einige Originale aus seiner Jugendzeit zu zeigen. Ich trete ein, durch ein gusseisernes Tor, das EGON SCHIELE als Schriftzug darstellt. Es ist das ehemalige Gefängnis von Tulln. In einer der Gefängniszellen finde ich an den Wänden eine Beschreibung des Verfahrens gegen Schiele, der wegen Missbrauchs eines minderjährigen Kindes angeklagt wurde. Ich gehe hinauf in den ersten Stock "ach, nur Geschichte seines Lebensweges", und wieder hinunter, dort wo der Verkaufs-Tresen ist und finde die drei kleinen Räume in denen kleine Ölgemälde von Schiele aufgehängt sind. Kleine Bilder, die mich doch fesseln. Wie herausgerissen werde ich aus der Welt des Denkens meiner Lizenz-Schulung, hineingeschleudert in ein intensive Wahrnehmung von Landschaft und Natur, die er darstellt. Bilder voller Farbe, Rhythmus und in einer Weise auf Karton oder Leinwand gebracht, die einen eigenen Blick zeigt, einen eigenen Ausschnitt des dargestellten wählt: Wo ist der Mittelpunkt der Bilderzählung? Es ist, so finde ich, das Zusammenspiel aller Dinge im Bilde, nicht etwas, das gezeigt wird von ihm, nein, es sind die Häuser, wie sie nebeneinander stehend sich zu einem Ganzen verbinden, der Weg am grünen Zaun entlang mit den Gehwegplatten eine Geschichte erzählt oder die Boote im Hafenbecken sich auftürmen vor eine endlosen Weite. Alles im Bild gehört zusammen, nicht ist nebensächliches Beiwerk. Klein, und vollkommen genug. Ich wandere noch einmal in die Gefängniszelle, lese ein bisschen und hocke mich an die Wand. Von da kann ich die Bilder anschauen, die mit einem Beamer an die Wand geworfen werden: Es sind Zeichnungen, Linien, die Umrisse zeigen, ganz wackelig, unpräzise und doch wieder ganz genau erzählt. Dann ein wenig Aquarell, Tusche, Farbe und alles fügt sich wieder wie Musik zusammen. Dann gehe ich doch noch einmal in den ersten Stock und lese über das Leben dieses seltsamen Menschen. Zeichnen, zeichnen, zeichnen ... Die Schule hat ihn nicht gekriegt. Die Spanische Grippe ließ ihn 1918 oder 1920 mit 28 Jahren sterben, kurz nachedem er durch eine Ausstellung den künstlerischen Durchbruch schaffte und eines seiner Gemälde an ein Museum verkaufte.

Die Linie erzählt. Sie ist genug um alles mitzuteilen, Farbe hie und da, ist ergänzend. Eine ganz andere Art zu zeichnen als bei Picasso oder Hockney. Gefällt mir wirklich gut.

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