Donnerstag, 2. Juni 2016

Dass wir ES heute finden liegt an ihrem Verschwinden

Gestern im Barlachhaus, oder ist es das Barlach Museum? Hermann de Vries, ein uralter Wurzelzwerg stapft durch den Wald. Alles was ich tue, tut er auch: Denken, wandern, Fundstücke lieben und mitnemen. Nur: Er sammelt, sortiert und stellt aus. Er stellt die Dinge, die er findet so aus, dass der Blick darauf ein besonderer wird, ein philosophischer, einer der die Gedanken anstößt wie eine Böe die Waseroberflöche in Wellen legt. Er ist inmitten der Dinge, inmitten der Natur. Und was im Text erläuternd steht, wäre nicht einmal nötig gewesen: Für Ihn gibt es keine Grenze.

So denke ich: Hier steht einer, der seine Grenzen auflöst. Hier wirkt einer, der eben diese Grenzen gar nicht will, um sich einzufühlen, ohne Worte, ohne Kategorien ohne Naturwissenschaftliches Denken, um sich einzfühlen, verwoben zu sein mit allem. Hier steht einer, der muss nicht deswegen zur Therapie gehen, weil er grenzenlos geworden ist.


Hier ist einer, der sieht und tut, der das, was er findet zeigt und darauf aufmerksam macht. Er spricht mit uns, statt tief in sich diesen unendlichen Schatz der Natur zu verbergen.

Gleichzeitig denke ich: Petrarca stieg auf den Berg und er sah die Landschaft. Humbold fuhr nach Südamerkia und beschriftete den Urwald. Herrmann de Vries in seinem Alter zwar aber doch heute wandert duch die letzten Rest Natur. Gefahr droht ihm nicht mehr, er braucht keine Angst zu haben, keine Liane wird ihn erdrosseln, kein Wildschein zerreissen. Es wandert und findet Natur, die letzten Reste, Fundstücke, es ist ein Aufschrei, es ist eine Distanz die Distanzlosigkeit schafft. Aus der Ferne der Natur in der wir leben rückt sie uns so nah, so sehnsüchtig beobachten wir, so weit entfernt stehen wir von Ihr, dass wir sie betrachten und nicht nachmachen können.

Ich kehre heim, aufgeladen, traurig und gehört zu gleich. Wie oft bin ich durch den Wald gestapft, verzaubert, migenommen, versenkt in Moose, Farne, Rinde, Baumstücke. Hier ist er, der es versteht, diesem Impuls zu folgen, ausatmet, was berührt, zeigt und mitteilt: Eine Antwort auf das findet, was ihn in den Wald treibt, Mitteilung darüber macht, ohne Zweifel.


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